Die St.-Johannes-Kirche in Wusterhusen – Ein kulturhistorisches Ziel bei Lubmin

Wer in Lubmin verweilt, sollte für einen Nachmittag den Blick landeinwärts richten. Keine drei Kilometer vom Lubminer Ortskern entfernt liegt die St.-Johannes-Kirche in Wusterhusen – ein Ziel, das man entspannt bei einer kleinen Wanderung durch die Felder, mit dem Rad oder in wenigen Minuten mit dem Auto erreichen kann.

Schon von Weitem überrascht die Größe der Kirche, doch das ist historisch begründet. Wusterhusen war früher der Sitz des Superintendenten und damit das geistliche Machtzentrum der gesamten Region. Diese einstige Bedeutung spiegelt sich bis heute in der Architektur und der kostbaren Ausstattung wider.

St.-Johannes-Kirche in Wusterhusen be Lubmin
St.-Johannes-Kirche in Wusterhusen

Der Flügelaltar – Ein „Bilderbuch“ der Renaissance

Das Herzstück der Kirche ist der Flügelaltar, der zwischen 1508 und 1520 entstand. Vermutlich gab Christopher, ein unehelicher Sohn des pommerschen Herzogs Bogislaw X., das Werk in Auftrag.

Rettung durch Zufall und Restaurierung

Dass die Malereien heute so leuchtend erhalten sind, verdanken wir einem kuriosen Umstand. Nach der Reformation galten die Mariendarstellungen als unpassend, weshalb die Altarflügel einfach zugenagelt wurden. Erst bei einer Restaurierung im Jahr 1963 wurden diese Tafeln wiederentdeckt. Da sie jahrhundertelang vor Licht geschützt waren, blieb die Farbkraft im Inneren fast unversehrt erhalten.

Innenraum der Kirche in Wusterhusen mit Blick auf den historischen Altar
Im Innenraum der Kirche in Wusterhusen steht ein historischer Flügelaltar mit mittelalterlichen Bildtafeln.

Regionalbezug und Realismus

Besonders spannend ist der frühe Realismus der Bilder. Statt die Szenen vor einem neutralen Goldgrund darzustellen, wählte der unbekannte Maler einen natürlichen blauen Himmel. In den Hintergrundlandschaften mit ihren sandigen Ufern lässt sich unschwer die typische Boddenlandschaft von Rügen und Usedom wiedererkennen.

Details für Entdecker

Tritt man nah an den Altar heran, offenbaren sich viele lebensnahe Einzelheiten:

  • Mode und Luxus: Die Figuren tragen prächtige Gewänder aus Brokat – damals ein Luxusgut, das hanseatische Kaufleute aus Venedig importierten.
  • Häusliche Szenen: Das Bild der „Mariengeburt“ zeigt ein typisches Zimmer mit Wiege, Holzzuber und sogar Pantoffeln, die achtlos auf dem Boden liegen.
  • Humor am Rande: In den Szenen verstecken sich zahlreiche Tiere, etwa ein jagender Hund oder Schwäne. In der Hirtenszene findet sich sogar eine sehr direkte Darstellung der Natur – ein Schafbock, der ein anderes Schaf beobachtet.
Orgel in der St.-Johannes-Kirche in Wusterhusen
Die historische Buchholz-Orgel von 1841

Die Buchholz-Orgel

Neben der visuellen Kunst ist die Kirche auch ein Ziel für Musikliebhaber. Auf der Empore befindet sich die historische Buchholz-Orgel von 1841. Unter Experten gilt sie als klangliches Denkmal von besonderem Rang, da sie nahezu vollständig im Originalzustand erhalten geblieben ist. Nach einer mehrjährigen, aufwendigen Restaurierung wurde sie erst im Juli 2024 feierlich wieder eingeweiht. Sie bietet nun wieder das authentische, warme Klangbild der romantischen Orgelbaukunst, für das der Berliner Orgelbauer Carl August Buchholz berühmt war.

Weitere Schätze der Johanneskirche

Wer sich Zeit nimmt, entdeckt noch mehr:

  • Wandmalereien: An den Längswänden finden sich freigelegte Malereien aus dem 13. Jahrhundert (u.a. die Heilige Gertrud und der Heilige Georg).
  • Der Taufstein: Eine Fünte aus Granit aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, verziert mit vier markanten männlichen Köpfen.

Besucherinformationen

Eine Besichtigung der St.-Johannes-Kirche in Wusterhusen ist nach vorheriger Vereinbarung über das zuständige Pfarramt möglich.

Kontakt: Pfarramt Wusterhusen
Alte Wolgaster Straße 6
17509 Wusterhusen
Telefon: 038354 22234
E-Mail: wusterhusen@pek.de

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