Geschichte von Lubmin

Der kleine und beschauliche Ort Lubmin hat eine längere Geschichte, als man auf der ersten Blick vermuten mag. Hier erfährst du wie sich aus einem kleinen Fischerdorf das heutige Seebad Lubmin entwickelt hat.

Gründung und erste Erwähnung von Lubmin

1271 wurde Lubmin das erste Mal urkundlich erwähnt. Das exakte Datum der Gründung ist unbekannt. Der erste geschichtliche Nachweis findet sich in Schriften des Klosters Eldena anlässlich der Erhebung des Kirchenzehnt durch die frisch eingeweihte Kirche Wusterhusen. Zunächst war Lubmin ein kleines Bauerndorf und hieß noch „Lubbenin“ oder „Lubbemyn“.

Ab dem 13. Jahrhundert wird Lubmin auch als Rittersitz der Familie Pertinenz aus dem Nachbarort Spandowerhagen erwähnt.

1597 ist Lubmin auf acht Vollbauernhöfe und drei Kleinbauerstellen angewachsen, die sich über eine Fläche von fast 700 pommerschen Morgen erstreckten. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Fischfang zur primären Lebensgrundlage.

1637 geriet Lubmin wie die ganze Region infolge des Dreißigjährigen Kriegs unter schwedische Herrschaft. Diese sollte mehr als 170 Jahre Bestand halten, ehe die Region preußisch wurde.

Um 1690 ging das Fischereigewerbe von den Bauern an die Knechte, die dadurch selbstständig für ihren Lebensunterhalt aufkommen konnten.

1768 pachteten die Lubminer Bauern Land von der schwedischen Krone.

1815 Schwedisch-Vorpommern wird nach dem Wiener Kongress an Preußen angeschlossen.

1838 wurde die erste eigene Schule in Lubmin gebaut.

Etwa 1850 entwickelten sich Fischerei und Landwirtschaft zu den wichtigsten Erwerbsquellen der Gemeinde. Lubmin bestand nun aus mehreren kleineren Höfen, Kleinbauern und den Büdnereien. Etwa 435 Einwohner zählte der Ort zu dieser Zeit. Ein Zeugnis dieser Periode in der Geschichte von Lubmin ist die bis heute erhaltene Heimatstube in der Freester Str. 3. Das Reetdachhaus beherbergt ein kleines Heimatmuseum.

Heimatmstube Lubmin
Die gut erhaltene Heimatstube in der Freester Straße

Neuere Geschichte Lubmins

1886 erhielt Lubmin die Auszeichnung zum Seebad. Die Anerkennung wurde durch den lokalen Bäder- und Verschönerungsverein angestoßen.

1887, also nur ein Jahr später, residierten bereits 170 Badegäste in Lubmin. Infolgedessen wurden die ersten Badeanstalten jeweils getrennt für Damen und Herren auf kleinen Pfahlbauten errichtet. Diese waren durch einen 60 Meter langen Steg verbunden. Die Pfahlbauten waren zunächst in privater Hand, wurden später allerdings von der Gemeinde Lubmin übernommen.

1891 gründeten die Gemeinden Lubmin, Freesendorf und Vierow einen Fischereiverein.

Der „Feurige Elias“

1892/93 wurde Lubmin an das Straßennetz zwischen Greifswald und Wolgast angeschlossen.

1898 wurde mit dem Bau der Kleinbahnstrecke Greifswald — Lubmin — Wolgast begonnen. Greifswalder Studenten geben der Kleinbahn den Namen „Feuriger Elias“.

Alter Eisenbahnwagon in Lubmin
Diese restaurierten historische Kleinbahnwagons neben dem Alten Bahnhof wurden 2012 aufgestellt

Um die Jahrhundertwende stiegen die Touristenzahlen bereits auf über 1000 Gäste.

Schon 1905 wurde der Bau einer Seebrücke geplant. Zunächst wurden jedoch lediglich zwei größere Stege errichten, die sogenannte „Olga-Brücke“ zum Anlegen von Segelbooten, sowie die „Neptun-Brücke“, an der Motorboote und kleine Dampfer festmachen konnten.

Um 1920 wurde der zweigeschossige Backsteinbau des Kindererholungsheim (zuletzt ein Sport- und Jugendhotel) und die spätere Ferieneinrichtung des VEB Autobahnbaukombinates gebaut. In ihr befindet sich seit den 1990iger Jahren die Heimvolkshochschule.

das zukünftige Cafe Boddengold vor dem Umbau
Das denkmalgeschützte Reichsbahnerholungsheim an der Strandpromenade in Lubmin steht heute leider leer

1925 durfte Lubmin mittlerweile schon über 3000 Besucher begrüßen. Zusätzlich entstand in der Villenstraße das Lubminer Warmbad. Für ein Bad wurde dort extra Wasser aus dem Bodden in die Becken gepumpt und auf wohlige Temperaturen erwärmt

Fischfang und Fischerteppiche

1928 wurde die erste Seebrücke in Lubmin errichtet. Infolge der Weltwirtschaftskrise und dem 1928 auferlegten dreijährigen Fangverbot in der Ostsee, ist in Lubmin und den Nachbargemeinden um das Dorf Freest das Gewerbe des Fischerteppichknüpfens entstanden. Diese fast einhundertjährig Tradition hat die Region weit über die Landesgrenzen bekannt gemacht. Heute wird versucht, diese zwischenzeitlich fast ausgestorbene Kunst wiederzubeleben. Als alternativer Broterwerb wurden weiterhin die ersten Fischerhütten als Gästeunterkünfte vermietet.

1929 Einführung einer Kurtaxe.

1930 erreichte Lubmin mit ca. 130 Fischern seinen Höhepunkt der Fischerei.

1934 wurde die Promenade eröffnet. Im Hotel Seeblick empfing man zum ersten Mal Radio. Zusätzlich zur Seebrücke folgte die ca. 1km lange „Promenade über den Wellen“. Nun konnte man Lubmin auch per Seeweg mit dem Dampfer von Greifswald oder der Insel Rügen aus erreichen.

1937 wurde zwischen der Seebrücke und der heutigen Marina mit dem Bau von insgesamt 18 Buhnen begonnen. Diese Maßnahmen bildeten die Grundlage für die anschließende Sandaufschüttung und Verbreiterung des Strandes. Im selben Jahr wurde die Seebrücke durch den Einbau von Steinkästen verstärkt.

1945, nach dem Ende des 2. Weltkriegs, wurde die Kleinspurbahn demontiert und als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgegeben. Das alte Bahnhofsgebäude im Ortskern blieb jedoch bestehen. Heute sitzt hier die Kurverwaltung.

1947 wurde nach Kriegsende erstmalig der Badebetrieb wiederaufgenommen. Zwischenzeitlich lebten Kriegsgeflüchtete in den Pensionen und Hotels von Lubmin. Nachdem diese freigezogen wurden, konnten die Unterkünfte allmählich wieder an Touristen vermietet werden.

1950 gibt es in Lubmin nur noch 86 Fischer. Aufgrund des flachen Strandes und des fehlenden Hafens wurde das Gewerbe zumeist ins Nachbardorf Freest verlegt. Heute zeugen leider nur noch die Namen von Orten wie dem „Netzeplatz“ von diesem Handwerk.

1951 wurde der Kurpark auf dem Reifferscheidschen Gelände im Ortskern angelegt.

1952 zählte Lubmin 3567 Feriengäste und konnte damit zum ersten Mal wieder die Gästezahlen aus den 1930iger Jahren erreichen.

1953 wurden Hotels und Pensionen in Lubmin im Zuge der „Aktion Rose“ zwangsenteignet.

1956 erhielt der Strand seinen ersten Rettungsturm. Nach Protesten von Bürgern wird Freikörperkultur (FKK) gesetzlich erlaubt und in Lubmin ein 1km langer FKK-Strandabschnitt ausgewiesen.

1957 wurde der Zeltplatz am östlichen Ende der Dünenstraße eröffnet.

Das Kernkraftwerk Lubmin

1965 schlossen DDR und UdSSR ein Abkommen zum Bau eines Kernkraftwerks ab, das zweite der DDR. Der Ort Feesendorf zwischen Lubmin und Freest und seine Bewohner müssen diesem Großbauprojekt weichen und werden umgesiedelt.

1966 zählt Lubmin bereits über 36.000 Badegäste.

1967 entstand eine neue Bahnverbindung nach Lubmin. Bis 1969 wurde die eingleisige Strecke errichtet. Sie schloss neben dem Werkbahnhof des Kraftwerks auch den Ort selbst an. Gleichzeitig wurde der Bahnhof Greifswald ausgebaut und ein eigener Bahnsteig für die Züge von und nach Lubmin angelegt.

1973 nahm der erste Block im Kernkraftwerk Bruno Leuschner den Probebetrieb auf.

1974 nahm das VE Kombinat Kernkraftwerke ‚Bruno Leuschner‘ Greifswald seinen Betrieb auf.

1977 wurde der Zeltplatz wegen der Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das Kernkraftwerk geschlossen und nach Loissin verlegt.

1986 feierte Lubmin ein Fest zum 100-jährigen Bestehen des Seebads.

1987 wurde mit dem Beginn einer festen Abwasseranlage begonnen.

Lubmin in der Nachwendezeit

1990 wurden die Blöcke 1-4 des KKW Lubmin abgeschaltet und das gesamte Kraftwerk vom Netz genommen.

1995 legte die Regierung das Atomkraftwerk offiziell still. Seitdem verantwortet das Nachfolgeunternehmen EWN Energiewerke Nord den Rückbau. Auf dem Gelände in der Lubminer Heide befindet sich nun für einen unbestimmten Zeitraum das Zwischenlager Nord für vorrangig schwach- und mittelradioaktiven Atommüll. Einhergehend mit der Schließung des Kraftwerks wurde die Bahnstrecke kurze Zeit später eingestellt. Heute ist man bemüht, den Personenverkehr wiederaufzunehmen, um die Anreise nach Lubmin zu erleichtern.

Kernkraftwerk Bruno Leuschner
Blick auf das frühere KKW Lubmin

1992 wurde die 1928 eingeweihte Seebrücke neugebaut. Sie misst heute eine Länge von 350 Metern. Jedoch musste sie kurz darauf wegen durch eine Sturmflut verursachten Schäden abermals repariert werden.

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1993 fand das erste Strandfest in Lubmin statt

1999 erhält Lubmin endgültig den Status als Seebad. Seitdem darf sich Lubmin mit Fug und Recht weiterhin „einziges Seebad am Greifswalder Bodden“ nennen.

2004 begann der Neubau der Marina Lubmin am ehemaligen Auslaufkanal des KKW. Diese heute sehr beliebte Anlegestelle wurde 2007 eingeweiht. Neben der Marina befindet sich heute wieder ein kleiner Campingplatz mit direktem Strandzugang. Hier finden sich zu jeder Jahreszeit viele Surfer und Kiter ein.

2005 wurde aus dem Alten Bahnhof das Seebadzentrum, in dem bis heute die Kurverwaltung sitzt und eine Bibliothek sowie ein Mehrzwecksaal eingerichtet wurden.

2006 sanierte die Gemeinde nach einer Sturmflut die Promenade und richtete dabei einige barrierefreie Strandabgänge ein.

2006 feierten wir 120 Jahre Seebad Lubmin.

2016 war unser großes Jubiläumsjahr und wir feierten 745 Jahre Lubmin.

2010 wurde mit dem Bau der Ostsee-Pipeline (OPAL) begonnen. Sie transportiert Gas aus der Pipeline Nord Stream 1 durch die Länder Brandenburg und Sachsen an die deutsch-tschechische Grenze zum Endpunkt bei Olbernhau/Brandov.

2020 fand eine umfangreiche Aufspülung und Befestigung der Dünen und des Strandes statt, bei denen die Dünen vergrößert und mit Textilsäcken verstärkt wurden. Diese Maßnahmen waren wegen einer heftigen Sturmflut notwendig, die erhebliche Schäden an Strand und Dünen hinterließ.

2022 erhielt Lubmin wegen der umstrittenen Gas-Pipeline Nord Stream 2 internationale Aufmerksamkeit.

Sehenswürdigkeit Seebrücke im Sonnenuntergang
Die Seebrücke Lubmin